Offener Brief an elleXX & WeMen

Sehr geehrte Vertreter*innen der Bewegung Ellexx & WeMen,

die folgenden Zeilen schreibe ich als Privatperson ohne Verbindung zu einem Unternehmen oder einer Organisation.

Meine Worte gründen auf privaten und subjektiven Erfahrungen, welche keinen verletzenden, sondern aus meiner Perspektive klärenden Charakter zum Ziel haben.

Auch bin ich kein Journalist oder Schriftsteller, trotzdem hoffe ich dass meine Worte verstanden werden.


Die Geschichte fängt vor einem Viertel-Jahrhundert an, ich war noch sehr jung, als mich ein Freund darauf aufmerksam machte, dass die Frau, welche ich kennengelernt habe "einer anderen Klasse angehöre und über meinem Niveau sei".

Ich war schockiert. Als Einwanderkind dachte ich, in meinem Zürich seien die Menschen frei. Es hatte genug von allem, man konnte sich Bananen kaufen, die Menschen waren für mich eins.

Mit den Jahren habe ich lernen müssen, dass es in Zürich unterschiedliche Klassen von Menschen gibt. Viele von Ihnen waren seit Ihrer Geburt besser gestellt und hielten präzisen Abstand vor Menschen wie mir.

Die Ausgrenzung wurde offensichtlich, als man Menschen wie mich bewusst nicht an Anlässe einlud, vor meinen Augen bildeten sich geschlossene Gesellschaftskreise, Hierarchien in Hierarchien.

Es bestand keine Möglichkeit durchzudringen.

Charakteristisch für diese Gesellschaftskreise war, dass man schon in jungen Jahren benennen konnte, welche Jugendliche eines Tages zu den "gesellschaftlichen Gewinnern", sei es in der Wirtschaft, wie auch der Öffentlichkeit gehören würden.

Zwei davon leiten die Unternehmen Ellexx und WeMen.

Ich würdige die Ziele beider Unternehmen, sowie den Willen und die Kraft beider Gründerinnen.

Es bestehen aber meinerseits Zweifel, ob diese Organisationen die breite Bevölkerung der Schweiz vertreten, zumindest im Führungskreis.

Auch vermute ich, dass beide Organisationen sich eher weniger kritischen Fragen stellen und sich selbst nicht hinterfragen, was ein natürlicher Prozess wäre und beiden Organisationen das Statische und wie beschrieben, das Konstruierte nehmen würde.

Es ist mir bewusst, dass sich Unternehmen und prominente Persönlichkeiten mit einem Gütesiegel für Gleichstellung, Emanzipation und Modernität schmücken wollen, aber sind es tatsächlich diese Unternehmen und prominenten Persönlichkeiten, welche diese Werte im Alltag leben ?

Oder entsteht hier eher eine moderne Art von Ablasshandel <Referenz: Martin Luther>, bei welchem man sich mit einem Logo schmücken kann ?

Einfacher erklärt, wieviele WeMen Mitglieder sind furchtbare Ehemänner und wieviele Organisationen nützen das Logo um harmlos zu wirken ?

Im Geschäft mit dabei sind zwei Banken, ist es wirklich so, dass diese nun für mehr Gleichstellung, Emanzipation und Modernität stehen ?

Ist viel Geld im Spiel, sind doch meistens auch "Männer" im Spiel, sind das die "guten Männer" oder eher die, welche das "Patriarchat" aufgebaut haben ?

Bei einem bin ich sicher, ich habe das "Patriarchat" nicht aufgebaut, noch unterstützt, noch waren jemals meine nächsten Freunde am Aufbau des "Patriarchats" beteiligt.

Nein, das waren eher die reichen Jungs.

Die Jungs von damals, bei welchem man bereits in der Jugend wusste, dass Sie zur Elite gehören würden. Die Jungs welche gerne geheiratet wurden und die Jungs, mit welchen man gerne Kinder zeugte.

Die Jungs, welche am Sechseläuten, ohne Frauen den Umzug anführten und die Jungs, welche mit allem ungeschoren davon kamen, rein aufgrund Ihrer privilegierten Stellung in Zürich, welche praktisch nie "selbst oder hart erarbeitet" wurde.

Die Jungs, welche gut dafür sorgten, dass die Klassen "rein" blieben, ohne Abschaum, ohne den "white trash" <Referenz: Eminem> von Zürich.

Ist es nicht so, dass die Führungsspitze, zumindest bei Ellexx doch eher die wohlhabende Gesellschaftsschicht repräsentiert ? Ein Ellexx Bag kostet SFr. 549.00, sind die Zielgruppen von Ellexx gut - begüterte Frauen, oder gar begüterte Witwen ?

Hat das nichts mit den "patriarchalen Männern" zu tun, welche man gerne geheiratet, geschieden, geerbt hat, oder hat das eine wirklich nichts mit dem anderen zu tun ?

Für mich ist es keine Überraschung, dass man eben in diesen Gesellschaftskreisen tendenziell eher auf das "Patriarchat" trifft, wie auf veraltete Vorstellungen im Bezug auf alle für Ellexx und WeMen relevanten Themen.

Die Männer, welche ich kenne, haben niemals über Macht verfügt, schon gar nicht über Frauen, eher über Ohnmacht, Scheidungen, Ablehnung und Verlust.

Alleinerziehende Männer, Männer mit Courage, Mut und unerschöpfbarer Kraft, Männer mit 3 Jobs gleichzeitig, welche aber immer pünktlich zum Geburtstag der Tochter / des Sohnes einen Kuchen backen - mit Kerzen.

Daher ist mir die Welt von Ellexx und WeMen fremd, in unserer Welt haben Frauen mehr Macht und diese bestimmen auch, ob man zu zweit, oder alleine ist. Und das ist sehr viel Macht.

Ich weiss nicht, ob meine Worte einen höheren Wert hätten, wenn ich diese vor Publikum im Zunfthaus zum Rüden in Zürich aussprechen würde, aber ich hoffe, dass Ellexx und WeMen es schaffen, dass die Frauen wenigstens am Sechseläutenumzug mitreiten dürfen.

Das wäre ein symbolischer Akt, welcher für alle Klassen verständlich ist.

Auch bin ich überzeugt, dass es ein Mehrwert für alle wäre, wenn die gesellschaftlichen Kreise in Zürich aufeinander zugehen würden, sich zuhören würden und im besten Fall bereichern und touchieren würden.

Das wäre ein Gewinn für alle.

Und nun zu Dir Pirmin Meyer, Co-President der WeMen ... ich boxe gerne live mit Dir für einen wohltätigen Zweck (Spende an Women in AI Switzerland), da es mir am Herzen liegt, dass mehr Frauen in der Schweiz einen erleichterten Zugang zu IT-Berufen haben.


Ich bitte Euch dieses Schreiben nicht zu ignorieren, denn Ignoranz, Arroganz und Ausgrenzung systemisch von Kreisen, welche das "Patriarchat" stützen, verwendet werden, damit Menschen wie ich und Ihre Worte nie debattiert werden müssen.

Auch bitte ich Euch mich nicht gleich zu verklagen oder zu dämonisieren, da meine Motive edler und friedvoller Natur sind und auch nicht darum, weil ich es gewagt habe diese Worte zu schreiben.

Herzlich, Joshua

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